Anatomie und Funktion des Iliosakralgelenks (ISG)1-4
 

Anteriore/Posteriore Knochenanatomie des IliosakralgelenksDie Hauptaufgabe des ISG liegt in der Gewichtsverlagerung des Oberkörpers auf die unteren Extremitäten. Bei dem ISG handelt es sich um eine echte Diarthrose. Die Gelenkflächen sind ohrförmig und weisen unregelmäßige Kämme und Einbuchtungen auf. Die sakrale Oberfläche ist konkav sowie mit einer dicken Hyalinknorpelschicht bedeckt und die iliakale Oberfläche ist mit einer dünnen Faserknorpelschicht überzogen.

Im oberen Teil des Gelenks berühren sich das Kreuzbein und das Darmbein nicht. Sie sind jedoch über starke posteriore, intraossäre sowie anteriore Bänder verbunden. Bei dem anterioren unteren Teil des Gelenks handelt es sich um ein typisches Synovialgelenk mit Hyalinknorpel auf den Gelenksoberflächen. Das ISGist ein Axialgelenk mit einer Oberfläche von ungefähr 17,5 Quadratzentimetern. Im Jugendalter ist die Gelenksoberfläche glatt und mit der Zeit wird sie immer unebener. Die Beweglichkeit (primäre Rotation) nimmt mit steigendem Alter ab und in einer Schwangerschaft zu.

Das Iliosakralgelenk (ISG) wird durch ein Netz aus Bändern und Muskeln stabilisiert, das jedoch auch die Beweglichkeit in allen Bewegungsebenen einschränkt. Ein normales ISG verfügt nur über eine geringe normale Beweglichkeit von ungefähr 2–4 mm in jede Richtung. Die iliosakralen Bänder bei Frauen sind weniger steif als bei Männern, wodurch die notwendige Beweglichkeit zur Entbindung gegeben ist.

Video – Anatomie, Biomechanik und Prävalenz des ISG

Pathologie des Iliosakralgelenks (ISG)


Mechanische Belastungen und Verletzungen des ISG werden entweder durch eine Kombination aus vertikaler Kompression und schneller Rotation (z. B. beim Tragen schwerer Gegenstände und gleichzeitiger Drehung) oder durch einen Fall auf das Gesäß hervorgerufen. Diese Art von Verletzungen kann zu einer Bänderlaxizität sowie zu schmerzhaften abnormen Bewegungen führen. Zu einer Instabilität kann es außerdem durch eine Operation an der Lendenwirbelsäule kommen, bei der ein großer Teil der iliolumbalen Bänder verletzt wird.

Schmerzen im ISG können des Weiteren durch eine unterschiedliche Länge der Beine, Gangstörungen, lange und körperlich anspruchsvolle Bewegungen, Traumata, Traumata bei der Geburt oder einer langstreckigen Fusion zum Kreuzbein bei einer Skoliose hervorgerufen werden. Zu einer schmerzhaften Iliosakralgelenksarthritis kann es durch Autoimmunerkrankungen, wie beispielsweise eine ankylosierende Spondylitis, eine juvenile rheumatoide Arthritis, das Reiter-Syndrom oder eine Psoriasisarthritis, sowie durch Infektionen, wie Staphylokokken, Gonorrhö und TB kommen.

1. Vleeming, A, M D Schuenke, A T Masi, J E Carreiro, L Danneels, and F H Willard. 2012. „The Sacroiliac Joint: An Overview of Its Anatomy, Function and Potential Clinical Implications.“ Journal of Anatomy 221 (6): 537-67. 

2. Forst, Stacy L, Michael T Wheeler, Joseph D Fortin, and Joel A Vilensky. 2006. „The Sacroiliac Joint: Anatomy, Physiology and Clinical Significance.“ Pain Physician 9 (1): 61-67.

3. Egund, N, T H Olsson, H Schmid, and G Selvik. 1978. „Movements in the Sacroiliac Joints Demonstrated with Roentgen Stereophotogrammetry.“ Acta Radiologica: Diagnosis 19 (5): 833-46.

4. Egund, Niels, and Anne Grethe Jurik. 2014. „Anatomy and Histology of the Sacroiliac Joints.“ Seminars in Musculoskeletal Radiology 18 (3): 332-40.
 

Lernen