Kapitel 3

Die Bedeutung der Diagnosestellung einer Dysfunktion des ISG in der chirurgischen Praxis

Aus der klinischen Fachliteratur geht hervor, dass bei 15 bis 25 % aller Patienten mit Kreuzschmerzen die Schmerzquelle im Iliosakralgelenk liegt. 

Das Iliosakralgelenk unterliegt sowohl internen als auch externen Kräften und kann wie jedes andere Gelenk im Körper von einer Vielzahl an Prozessen oder Problemen betroffen sein.  Eines dieser Probleme kann in einer entzündlichen Arthritis oder Autoimmunerkrankungen wie rheumatischer Arthritis oder Spondylitis ankylosans liegen. 

Das IS-Gelenk kann aufgrund von Trauma degenerieren, entweder aufgrund von akutem Trauma wie einem Autounfall oder einem Sturz oder aufgrund von chronischem wiederholten Trauma. In einigen Serien berichteten bis zu 50 % der Patienten mit Erkrankungen oder Schmerzen des IS-Gelenks von einem vorhergehenden traumatischen Ereignis. Das Gelenk kann zudem gesteigerter Belastung in Folge einer benachbarten lumbalen Fusion unterliegen.  Dies wird als Degeneration benachbarter Segmente bezeichnet.

Ein weiteres häufiges Problem in Zusammenhang mit dem IS-Gelenk besteht in Hypermobilität.  Dies tritt üblicherweise bei Frauen im mittleren Alter auf.  Frauen weisen eine geringere Ligamentspannung als Männer auf, und dieses Problem tritt häufig bei Frauen auf, die mehrere Schwangerschaften hatten.

Es ist sehr häufig, dass sich Schmerzen aus dem Iliosakralgelenk wie Schmerzen mit Facettenquelle oder bandscheibenbedingter Quelle oder möglicherweise mit Quelle im Becken, im Abdomen oder selbst im Hüftgelenk darstellen. Ein Patient mit IS-Gelenkerkrankungen kann ebenfalls unter radikulären Symptomen leiden, mit Schmerzen, die in das Bein ausstrahlen.

Wexler hat gezeigt, dass viele Patienten mit Erkrankungen des IS-Gelenks fehldiagnostiziert wurden und schließlich einer lumbalen Fusion statt einer Behandlung des IS-Gelenks unterzogen wurden.

Erkrankungen des Iliosakralgelenks sollten bei Patienten mit Kreuzschmerzen stets in Erwägung gezogen werden. Viele Patienten mit Erkrankungen des IS-Gelenks werden für bandscheibenbedingte Schmerzen fehlbehandelt.


Das iFuse Implant System wird für die IS-Gelenkfusion bei Erkrankungen wie IS-Gelenksprengungen und degenerativer Sakroiliitis eingesetzt.

Dr. Reckling ist ein Mitarbeiter von SI-BONE Inc.

„Eine Dysfunktion des Iliosakralgelenks sollte bei Patienten mit Kreuzschmerzen stets in Erwägung gezogen werden. Das Iliosakralgelenk hat sich in mehreren großen Studien als Schmerzquelle bei einer großen Anzahl von Kreuzschmerzpatienten herausgestellt. Es ist sehr wichtig, sich dessen bewusst zu sein, wenn diese Patienten untersucht werden.

Wenn die erste Reaktion nur darin besteht, eine lumbale Fusion vorzunehmen, weil zwei Bandscheiben auf dem MRT schwarz sind, werden die Ergebnisse nicht optimal sein. Falls der Patient unter Schmerzen im Iliosakralgelenk leidet, muss auch das Iliosakralgelenk behandelt werden.

Der Fokus der orthopädischen und neurochirurgischen Fachwelt lag bislang auf den Bandscheiben und der Wirbelsäule, und wir haben uns auf Dekompressionseingriffe und Fusionseingriffe konzentriert und sehr viel mehr auf die Wirbelsäule geachtet als auf das Iliosakralgelenk. Dies ändert sich langsam, da ein größeres Bewusstsein bezüglich der Diagnose und der Behandlungsoptionen entsteht.

Wir wissen, und es ist in der Fachliteratur umfassend dokumentiert, dass bei einer lumbalen Fusion die Belastung, die üblicherweise auf den fusionierten Ebenen absorbiert würde, auf die Ebenen der Wirbelsäule über und unter der Fusion übertragen wird. Nun, die nächste Ebene unter einer lumbosakralen Fusion ist das Iliosakralgelenk, und in der Fachliteratur finden sich zahlreiche Beispiele von degenerativen Veränderungen des Iliosakralgelenks nach einer Fusion.

Ha hat im Magazin Spine vor einigen Jahren ein sehr interessantes Paper veröffentlicht. Er führte eine prospektive Studie durch, bei der Patienten zunächst vor einer lumbalen Fusion und daraufhin fünf Jahre später mittels CT-Scan untersucht wurden. Er konnte belegen, dass sich nach einer lumbalen Fusion eine 75-prozentige Inzidenz einer Degeneration des Iliosakralgelenks zeigte.

In meiner klinischen Praxis klagten mehrere Patienten auch nach einer erfolgreichen bzw. soliden lumbalen Fusion weiterhin über Schmerzen. Dies unterstützt die Annahme, dass der Schmerz aus mehreren oder anderen Bereichen der Anatomie stammt. Es gibt eine weitere Schmerzquelle, die Beschwerden verursacht. Meiner Ansicht nach ist oft das Iliosakralgelenk die zweite oder nicht diagnostizierte Schmerzquelle.

Es ist sehr häufig, dass sich Schmerzen aus dem Iliosakralgelenk wie Schmerzen mit Facettenquelle oder bandscheibenbedingter Quelle oder möglicherweise mit Quelle im Becken, im Abdomen oder selbst im Hüftgelenk darstellen. Patienten mit Dysfunktion des IS-Gelenks können sogar unter radikulären Symptomen leiden, mit Schmerzen, die in das Bein ausstrahlen.

Weksler hat gezeigt, dass viele Patienten mit Dysfunktion des IS-Gelenks fehldiagnostiziert wurden und schließlich einer lumbalen Fusion statt einer Behandlung des IS-Gelenks unterzogen wurden. Viele Patienten mit Dysfunktion des IS-Gelenks werden auf bandscheibenbedingte Schmerzen behandelt.

Mir ist die Dysfunktion des IS-Gelenks als klinisch relevantes Konzept sehr viel bewusster geworden. In meiner Praxis untersuche ich bei der Anamnese und während der körperlichen Untersuchung auch auf Dysfunktion des IS-Gelenks. Ich bin nun auch viel offener dafür, das Iliosakralgelenk zusätzlich zur oder statt der Lendenwirbelsäule zu behandeln.     

In meiner Praxis versuche ich sowohl chirurgisch als auch nicht-chirurgisch die Schmerzquellen zu behandeln, sowohl die, die aus dem IS-Gelenk stammen als auch die, die aus der Wirbelsäule stammen. Aufgrund dieser klinischen Erfahrung gehören das Iliosakralgelenk und mögliche Dysfunktion und Schmerzen in Zusammenhang mit dem Gelenk zu den ersten Dingen, die ich bei meiner Untersuchung und Behandlung dieser Patienten mit Kreuzschmerzen prüfe.“