Kapitel 4

Diagnosestellung bei Erkrankungen des ISG: Provokationstests

Basierend auf strikt geprüften Forschungsergebnissen gibt es fünf Provokationstests, die üblicherweise zur Diagnose von Erkrankungen des IS-Gelenks herangezogen werden.  Diese fünf Tests können in Kombination sehr genau sein, sowohl empfindlich als auch spezifisch, wenn sie zum Informationsgewinn bezüglich der möglichen Wirksamkeit einer Injektion in das IS-Gelenk herangezogen werden.* 

Provokationstests:

• FABER – (Flexion, ABduktion, Externe Rotation)

• Kompression

• Thigh Thrust

• Distraktion

• Gaenslen 

*Szadek, Karolina M, et al. “Diagnostic Validity of Criteria for Sacroiliac Joint Pain: a Systematic Review.” The Journal of Pain: Official Journal of the American Pain Society 10, Nr. 4 (April 2009): 354-368.


Das iFuse Implant System wird für die IS-Gelenkfusion bei Erkrankungen wie IS-Gelenksprengungen und degenerativer Sakroiliitis eingesetzt.

Biagio Mazza ist ein bezahlte Berater für SI-BONE Inc.

„Für uns arbeiten 18 Physiotherapeuten und wir spezialisieren uns auf Patienten mit chronischen Kreuzschmerzen; das umfasst eine Diagnose einer Dysfunktion des IS-Gelenks.

Die Diagnose von IS-Gelenkproblemen ist in unserer Praxis sehr verbreitet.  

Wir sehen viele Patienten, die entweder durch das System geschickt und mehrere Ärzte besucht oder andere Diagnosen erhalten haben, die zwar anhand der Bildgebung gestellt wurden, die eigentliche Schmerzquelle oder ein Teil der Schmerzquelle aber im IS-Gelenk liegt.

In einer klassischen Studie stellte sich heraus, dass bei über 22 % der Patienten mit Kreuzschmerzen das IS-Gelenk und Dysfunktion des Gelenks entweder die primäre Schmerzquelle oder eine Komponente der Kreuzschmerzen darstellte.

Dies korreliert sehr gut mit unserer täglichen Erfahrung aus der Praxis.  Wir sehen viele Patienten mit Kreuzschmerzen, nur bei wenigen wurde die korrekte patho-anatomische Diagnose gestellt und die tatsächliche Schmerzursache bestimmt.  Bei etwa einem oder zwei von fünf Patienten kann das IS-Gelenk die Schmerzquelle sein.

Basierend auf strikt geprüften Forschungsergebnissen gibt es fünf Provokationstests, die üblicherweise zur Diagnose einer Dysfunktion des IS-Gelenks herangezogen werden.  Wenn diese fünf Tests in Kombination verwendet werden, sind sie sehr genau, das heißt sowohl empfindlich als auch spezifisch bezüglich Informationen zur möglichen Wirksamkeit einer Injektion in das IS-Gelenk.

Es ist besonders schwierig, einen Patienten mit Schmerzen in Facettengelenken von Patienten mit Schmerzen im IS-Gelenk zu unterscheiden.  

Zum Glück sind die Provokationstests positiv bei Patienten mit IS-Gelenkschmerzen und üblicherweise negativ bei Patienten mit Facettengelenkschmerzen.  

Zudem zeigen sich bei Patienten mit Facettengelenkschmerzen bei dreidimensionalen Bewegungen, also Kombinationen aus Extension, Rotation und seitlicher Beugung oder Flexion, Rotation und seitlicher Beugung größere Schmerzen, die üblicherweise bei Patienten mit IS-Gelenkschmerzen nicht auftreten.

Wir achten hauptsächlich auf drei Aspekte, wenn es darum geht, eine Dysfunktion des IS-Gelenks von anderen Pathologien zu unterscheiden.  

Der erste Aspekt besteht in den subjektiven Beschwerden des Patienten, der Krankengeschichte, der Lage der Symptome und welche Tätigkeiten die Symptome auslösen.  

Der zweite Aspekt besteht darin, eine lumbale Pathologie auszuschließen, also bandscheibenbedingte Probleme und Facettenprobleme, und der dritte Aspekt sind positive Provokationstests.  Hat man diese drei Aspekte abgearbeitet, wäre der nächste Schritt eine diagnostische Injektion.

Das IS-Gelenk bewegt sich sehr wenig.  Bei einem normalen Patienten bewegt es sich um etwa drei bis fünf Grad.  Diese Bewegung ist mittels Palpation schwierig zu beurteilen und zu behandeln.  Diese Beurteilungsmethoden haben keine statistische Gültigkeit.

Das IS-Gelenk sollte bei jedem Fall von Kreuzschmerzen als mögliche Schmerzquelle und Behandlungsoption angesehen werden.  

Die Diagnose einer Dysfunktion des IS-Gelenks oder zumindest die Provokationstests sollten bei jedem Patienten durchgeführt werden, der die Praxis betritt.  

Bei der Durchführung von IS-Gelenk-Provokationstests muss der Patient darüber aufgeklärt werden, was zu erwarten ist.  Sie sollten den Patienten wissen lassen, dass Sie versuchen, die Symptome zu provozieren, um deren Lage herauszufinden.  

Berichtet der Patient hierbei von Schmerzen, wäre die nächste Frage, ob es sich um die selben Schmerzen handelt, die der Patient üblicherweise erfährt.

Ein Test, der sich gut durchführen lässt, ist der Distraktionstest.  Hierbei wird ein Kissen unter den Knien des Patienten und der Unterarm des Patienten unter dem unteren Rücken platziert.  

Ihre Hände befinden sich auf der Innenseite der vorderen Beckenknochen.  Die Arme werden gerade positioniert und der Therapeut oder Arzt lehnt sich langsam in Richtung des Patienten.  

Wie fühlt sich dies an?  Wo tut es weh? Sind das die üblichen Schmerzen? Dies würde als positiver Test angesehen.  

Bei dem Thigh-Trust-Test wird der Patient auf dem Rücken positioniert.  Der Test wird neben dem Kompressionstest als einer der empfindlichsten und spezifischen Tests betrachtet.  

Das Knie des Patienten ist um 90 Grad angewinkelt.  Die Vorderseite des Beins ist entspannt.  Das Knie wird gehalten und die gegenüberliegende Beckenseite mit der anderen Hand stabilisiert.  Über den Femur wird langsam und gleichmäßig Kraft angewandt und der Patient zu den Empfindungen befragt. 

Wo tut es weh? Sind das die üblichen Schmerzen? Dies würde als positiver Test angesehen.

Bei dem Faber-Test liegt der Patient auf dem Rücken.  

Das Knie ist angewinkelt und das Bein liegt über dem gegenüberliegenden Oberschenkel.  Die Hand des Arztes stabilisiert die gegenüberliegende Beckenseite.  Die andere Hand hält das Knie und führt das Bein durch eine externe Rotation. Wie fühlt sich dies an?  

Wo tut es weh? Sind das die üblichen Schmerzen? Dies würde als positiver Test angesehen.

Bei dem Gaenslen-Test handelt es sich um einen rotationalen Torsionstest des Beckens.  Der Patient wird gebeten, bis zum Rand der Liege zu rutschen.  

Das Bein auf selber Seite hängt über dem Rand der Liege.  Das gegenüberliegende Bein wird gebeugt und der Patient wird gebeten, das Knie zu stützen.  Eine Hand wird beidseitig vor dem Knie positioniert.  Der Patient wird gebeten, das Knie Richtung Brust zu ziehen, während der Arzt beide Beine durch eine Rotation führt.  Wie fühlt sich dies an? Wo tut es weh? 

Sind das die üblichen Schmerzen? Dies würde als positiver Test angesehen.

Der selbe Test wird auf der anderen Seite durchgeführt.  Der Patient rutscht zum anderen Rand der Liege und das Bein hängt über dem Rand der Liege.  Das Knie wird angewinkelt und die Hände neu positioniert.  Üblicherweise befindet sich der Arzt auf der selben Seite der Liege.  Zu Demonstrationszwecken stehe ich hier auf der anderen Seite.  Derselbe Druck wird angelegt und der Patient zu seinen Empfindungen befragt.  (Patient antwortet)  Wo tut es weh?  (Patient antwortet)  Sind das die üblichen Schmerzen?  (Patient antwortet)  Dies würde als positiver Test angesehen.   

Bei dem Kompressionstest handelt es sich um den zweiten Test, neben dem Thigh-Thrust-Test, der die empfindlichste und spezifischste Testkombination darstellt.  Der Patient wird auf der Seite liegend positioniert, mit einem Kissen zwischen den Knien.  Der Arzt positioniert die Hand 

auf der Außenseite des Beckens und legt die Hände übereinander.  Die Ellenbogen werden gerade gehalten und Druck direkt in Richtung der Liege ausgeübt.  Wie fühlt sich dies an?  

Wo tut es weh? Sind das die üblichen Schmerzen? Dies würde als positiver Test angesehen.“