Degeneration des Iliosakralgelenks nach instrumentierter lumbaler oder lumbosakraler Fusion

Ha K-Y, et al. Spine.2008;33:1192–1198.

Kurzfassung

Studienaufbau: Eine prospektive Kohortenstudie.

Zielsetzung: Bestimmung des Ursache-Wirkung-Verhältnisses zwischen Fusion und Degeneration des iliosakralen Gelenks (ISG) nach instrumentierter lumbaler oder lumbosakraler Fusion.

Zusammenfassung der Hintergrunddaten. Die angrenzende Segmentdegeneration nach spinaler Fusion hat besonders viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Entsprechend wenig Beachtung fand dabei jedoch das ISG als eines der angrenzenden Gelenke.

Methoden. Diese Studie untersuchte prospektiv 37 Patienten, die sich zwischen Juli 1997 und Oktober 1998 einer instrumentierten postlateralen lumablen/lumbosakralen Fusion unterzogen. Unter ihnen befanden sich 32 Patienten, die in die Studie aufgenommen und als Fusionsgruppe definiert wurden (männlich/weiblich: 10/22, mittleres Alter: 64 Jahre). Die Fusionsgruppe wurde gemäß Fusionsbereich in zwei Untergruppen aufgeteilt. Gruppe 1 wies eine schwebende Fusion (Fusion bis L5) auf und umfasste 22 Patienten (männlich/weiblich: 7/15, mittleres Alter: 65,6 Jahre). Gruppe 2 wies eine fixierte Fusion (Fusion bis S1) auf und umfasste 10 Patienten (männlich/weiblich: 3/7, mittleres Alter: 60,5 Jahre). 34 gesunde Personen gleichen Alters (männlich/weiblich: 18/16, mittleres Alter: 64,5 Jahre) wurden als Kontrollgruppe rekrutiert. Die ISG-Degeneration wurde anhand des mittels CT-Scans vor und zwei Wochen postoperativ bestätigten Nichtvorhandenseins beurteilt. Nach jeweils einem und fünf Jahren nach der Operation wurde das ISG erneut anhand von CT-Scans beurteilt. Die Inzidenz von ISG-Degeneration wurde ausgewertet und verglichen (Fusionsgruppe vs. Kontrollgruppe, d. h. Gruppe 1 vs. Gruppe 2). Die klinischen Ergebnisse wurden anhand visueller Analogskalen (VAS) und des Oswestry Disability Index (ODI) vor der Operation und zum Zeitpunkt der letzten Verlaufskontrolle ausgewertet.

Ergebnisse. Mit 75 Prozent (24/32) lag die Inzidenz von ISG-Degeneration in der Fusionsgruppe deutlich über den 38,2 Prozent (13/34) (P 0,05) der Kontrollgruppe. Die Inzidenz von ISG-Degeneration (bilateral und unilateral) und von bilateraler ISG-Degeneration war in Gruppe 2 höher als in Gruppe 1 (P 0,028 bzw. 0,04). Die Inzidenz von ISG-Degeneration wurde nicht mit der Anzahl fusionierter Segmente assoziiert. Bei der Verlaufskontrolle nach fünf Jahren berichteten Patienten beider Gruppen deutliche Verbesserungen der VAS- und ODI-Werte gegenüber den präoperativen Werten. Keinen nennenswerten Unterschied gab es jedoch im Abfall der VAS- und ODI-Werte zwischen den beiden Gruppen (P 0,145 bzw. 0,278).

Schlussfolgerung: Instrumentierte postlaterale lumbale/lumbosakrale Fusion kann eine Ursache für ISG-Degeneration darstellen. ISG-Degeneration tritt häufiger bei Patienten mit lumbosakraler Fusion unabhängig von der Anzahl der fusionierten Segmente auf.

Schlagwörter: iliosakrales Gelenk, Degeneration, angrenzende Segmenterkrankung, lumbosakrale Wirbelsäule, Fusion.