Erkennen spezifischer Eigenschaften von unspezifischen Schmerzen im unteren Rückenbereich

Bernard TN, Kirkaldy-Willis WH. Clinical Orthopedics 1987;217:266–80.

Kurzfassung

Eine retrospektive Auswertung von 1293 Fällen tiefer Rückenschmerzen, die über einen Zeitraum von zwölf Jahren behandelt wurden, hat ergeben, dass das iliosakrale Gelenksyndrom und das posteriore Gelenksyndrom die häufigsten Übertragungsschmerzsyndrome darstellen, während Gallertkernprolaps und laterale Spinalkanalstenose die häufigste Ursache für Nervenwurzelkompression darstellen. Übertragungsschmerzsyndrome treten annähern zweimal häufiger auf und imitieren regelmäßig die klinische Präsentation von Nervenwurzelkompressionsyndromen. Kombinierte Läsionen traten in 33,5 Prozent aller Fälle auf. Laterale Spinalkanalstenose und Gallertkernprolaps lagen in 17,7 Prozent der Fälle vor. Bei 30 % der Fälle von Spondylolisthesis waren die Röntgenbefunde zufällig und die Schmerzquelle war das IS-Gelenk. Die Unterscheidung zwischen radikulärem und Übertragungsschmerz, die Erkennung nebeneinander einhergehender Läsionen und die Korrelation diagnostischer Bildgewinnung mit der klinischen Präsentation erleichtert die Formulierung eines angemessenen Behandlungsplans. Der oben angeführte Ansatz zur Handhabung tiefer Rückenschmerzen entstand über einen Zeitraum vom zwölf Jahren. Mit dem Ziel, eine spezifische Diagnose zu stellen, sollte er zu hervorragenden oder zumindest guten Ergebnissen in 84 Prozent der Patienten führen.