Frühzeitige Ergebnisse der Iliosakralgelenksfixierung nach langer Fusion mit dem Kreuzbein bei Wirbelsäulendeformationen von Erwachsenen

Schroeder JE, et al. Hospital for Special Surgery Journal. 2014;10:30–35.

Zusammenfassung

Hintergrund: Das Iliosakralgelenk (IS-Gelenk) ist das größte Gelenk im menschlichen Körper. Bei einer Fusion zwischen der Lendenwirbelsäule und dem Kreuzbein wird die Bewegung am IS-Gelenk verstärkt, wodurch degenerative Veränderungen des IS-Gelenks begünstigt werden. Wenn eine langstreckige Fusion der Lendenwirbelsäule mit einer Fixierung des Kreuzbeins endet, werden degenerative Veränderungen in bis zu 75 % der Fälle symptomatisch. Wenn die medizinischen Behandlungen keinen Erfolg zeigen, steht Patienten die Möglichkeit einer chirurgischen Fixierung des ISG offen. 

Fragestellungen/Ziele: Diese Studie berichtet über die Resultate zu vorübergehenden Komplikationen, zur Krankenhausaufenthaltsdauer sowie zu klinischen und radiografischen Patientenergebnissen nach einer perkutanen Fixierung des IS-Gelenks aufgrund von ISG-Schmerzen nach einer langstreckigen Fusion des Kreuzbeins bei adulter Skoliose. 

Methoden: Im Zeitraum von 2011 bis 2013 wurde eine retrospektive Untersuchung von Patienten, die sich einer perkutanen Fixierung des IS-Gelenks nach einer operativen Skoliosekorrektur unterzogen haben, in einem auf skoliotische Erkrankungen spezialisierten Studienzentrum durchgeführt. Bei sechs Patienten, bei denen die konservative Behandlung der degenerativen Sakroiliitis keinen Erfolg zeigte, wurden zehn Fusionen des IS-Gelenks vorgenommen. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 50 Jahren (Alter zwischen 25 und 60). Das Durchschnittsalter der Patienten nach dem erstmaligen chirurgischen Eingriff lag bei 15,3 Jahren (Alter zwischen 4 und 25). Die durchschnittliche postoperative Nachbeobachtungszeit lag bei 10,25 Monaten (4 bis 15 Monate). Die Krankenblätter der Patienten wurden auf folgende Aspekte hin überprüft: Krankenhausaufenthaltsdauer, Komplikationen, prä- und postoperative Schmerzen, Lebensqualität sowie Patientenzufriedenheit im Hinblick auf den chirurgischen Eingriff anhand der Visuellen Analogskala (Visual Analogues Score, VAS), des SRS-22-Fragebogens der Scoliosis Research Society sowie des Oswestry Disability Index (ODI). Zur Beurteilung der Fixierung des IS-Gelenks, der Fusion und einer möglichen Verschiebung des Implantats wurden radiografische Aufnahmen herangezogen. 

Ergebnisse: Während der Eingriffe sowie in der postoperativen Phase kam es zu keinen Komplikationen. Die Entlassung erfolgte durchschnittlich am 2. Tag nach dem chirurgischen Eingriff (1 bis 4 Tage). Der VAS-Wert für Beinschmerzen sank von 6,5 auf 2,0 (P < 0,005; minimaler klinisch relevanter Unterschied (Minimal Clinically Important Difference, MCID) 1,6). Der VAS-Wert für Rückenschmerzen sank von 7,83 auf 2,67 mm (P < 0,005; MCID 1,2). Der ODI-Wert sank von 22,2 auf 10,5 (P = 0,0005; MCID 12,4). Der SRS-22-Wert stieg von 2,93 auf 3,65 (P = 0,035; MCID 0,2), wobei die höchsten Fragebogenbewertungen in den Bereichen Schmerz, Funktion und Zufriedenheit erzielt wurden. 

Schlussfolgerung: Bei Patienten, bei denen eine konservative Behandlung der degenerativen Sakroiliitis nach einer am Kreuzbein endenden langstreckigen Fusion keinen Erfolg zeigte, kann die Fixierung des IS-Gelenks eine Reduktion der Rückenschmerzen sowie eine verbesserte Lebensqualität im kurz- und mittelfristigen Nachbeobachtungszeitraum bewirken.