Lumbale Fusion führt zu gesteigerter Winkelbewegung und Belastung des Iliosakralgelenks

Ivanov AA, et al. Spine. 2009;34:E162–E169.

Kurzfassung

Studienaufbau: Beurteilung von Winkelbewegungen des Kreuzbeins und der Belastung der artikularen Oberflächen des iliosakralen Gelenks (ISG) mittels Finite-Elemente-Modell der lumbalen Wirbelsäule/des Beckenbodens und simulierter chirurgischer Eingriffe für posteriore Fusion.

Zielsetzung: Quantifizierung der Erhöhung der Winkelbewegungen des Kreuzbeins und der Belastung des ISG als Funktion der fusionierten Lendenwirbelsäule mittels Finite-Elemente-Modell der lumbalen Wirbelsäule/des Beckenbodens.

Zusammenfassung der Hintergrunddaten. Eine Literaturanalyse deutet darauf hin, dass für 20 bis 30 Prozent der an der Wirbelsäule operierten Patienten ein Postdiskotomiesyndrom als mögliche Komplikation angenommen werden kann. Bei 29 bis 40 Prozent der Fälle kann das ISG ein zusätzlicher Faktor des Postdiskotomiesyndroms sein. Der exakte Pathomechanismus, der zur Entstehung von ISG-Schmerzen führt, wird noch nicht zufriedenstellend verstanden. Wir vermuten, dass die Fusion der Lendenwirbelsäule in einer verstärkten Bewegung oder Belastung am ISG resultiert. Dies könnte der Auslöser des Schmerzsyndroms sein.

Methoden. Ein Finite-Elemente-Modell der Lendenwirbelsäule/des Beckenbodens wurde zur Simulation der posterioren Fusion auf den Ebenen L4–L5, L4–S1 und L5–S1 verwendet. Das Ausmaß der Winkelbewegung des Kreuzbeins und die durchschnittlichen Belastungen der artikularen Oberflächen des ISG wurden in Bezug auf Flexion, Extension, laterales Biegen und axiale Rotationsbewegungen mit einem intakten Modell verglichen.

Ergebnisse. Die berechneten Winkelbewegungen des Kreuzbeins in der intakten Wirbelsäule, nach der Fusion von L4–L5, L5–S1 und L4–S1, wurden graduell größer. Der höchste Wert wurde dabei in dem L4–S1-Fusionsmodell erreicht. Des Weiteren erhöhte sich die durchschnittliche Belastung der artikularen Oberflächen des ISG progressiv vom Mindestwert im L4–L5-Fusionsmodell zum Höchstwert im L4–S1-Fusionsmodell.

Schlussfolgerung: Die Fusion im Bereich der Lendenwirbelsäule erhöhte die Beweglichkeit und Belastung des ISG. Dies könnte eine mögliche Ursache für Kreuzschmerzen bei Patienten nach Lendenwirbelsäulenfusionen sein.

Schlagwörter: Lendenwirbelsäulenfusionen, Finite-Elemente-Untersuchung, tiefes Rückenschmerzensyndrom.