MIC Fusion des Iliosakralgelenks: Hat eine bereits stattgefundene lumbale Wirbelsäulenfusion Auswirkungen auf Patientenergebnisse?

Rudolf L*. The Open Orthopaedics Journal. 2013;7:163-168.

Kurzfassung

Hintergrund: ISG-Schmerzen stellen eine medizinische Herausforderung dar, da sie diskogene oder radikuläre Rückenschmerzen vortäuschen können und als Schmerzen im unteren Rückenbereich, in der Hüfte, in der Leiste und/oder im Gesäß auftreten. Die Diagnose und der Behandlungsalgorithmus können außerdem erschwert werden, wenn Patienten sowohl Symptome in der Lendenwirbelsäule als auch im IS-Gelenk aufweisen [1–3]. In der Fachliteratur wird über ISG-Schmerzen nach einer Fusion der Lendenwirbelsäule berichtet. Sowohl klinische als auch biomechanische Studien haben ergeben, dass das IS-Gelenk für verstärkte Bewegungen und Beanspruchungen auf der Gelenkoberfläche anfällig ist, wobei 40–75 % der Patienten nach 5 Jahren einen deutlichen IS-Gelenkverschleiß aufwiesen. Im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Fallstudie wurde bei 50 Patienten eine minimalinvasive IS-Gelenkarthrodese durchgeführt. 50 % dieser Patienten hatten sich zuvor einer Fusion der Lendenwirbelsäule unterzogen und 18 % litten unter einer symptomatischen Erkrankung der Lendenwirbelsäule, die konservativ behandelt wurde [4]. Ziel dieser Studie ist es, zu bestimmen, ob sich eine zuvor durchgeführte Fusion oder eine vorliegende Erkrankung der Lendenwirbelsäule auf die Patientenergebnisse nach einer minimalinvasiven Fusion des IS-Gelenks auswirkt.

Methoden: Im Rahmen der Studie unterzogen sich 40 Patienten über einen Zeitraum von 24 Monaten Nachsorgeuntersuchungen nach einer minimalinvasiven Fusion des IS-Gelenks mittels mehrerer dreieckiger Titanimplantate mit poröser Plasmabeschichtung (iFuse, SI-Bone, Inc., San Jose, Kalifornien, USA). Die Ergebnisse wurden während der Nachsorgeuntersuchungen nach 3, 6, 12 und 24 Monaten anhand der Numerischen Rating-Skala (NRS) zur Beurteilung von Schmerzen ermittelt. Bei der letzten Nachsorgeuntersuchung wurden außerdem Daten zur Patientenzufriedenheit gesammelt. Die Patienten wurden in 3 Studienkohorten eingeteilt: 1) Patienten mit zuvor durchgeführter Fusion der Lendenwirbelsäule (PF), 2) Patienten ohne zuvor durchgeführte Fusion der Lendenwirbelsäule (NF), 3) Patienten ohne zuvor durchgeführte Fusion der Lendenwirbelsäule, mit symptomatischer Erkrankung der Lendenwirbelsäule, die konservativ behandelt wird (LP). Anhand einer Varianzanalyse mit Messwiederholungen (rANOVA) wurde bestimmt, ob die Veränderungen der NRS-Punktzahlen zur Schmerzbeurteilung zu unterschiedlichen Erhebungszeitpunkten und zwischen den jeweiligen Untergruppen variierten. Eine Verringerung der NRS-Punktzahl um 2 Punkte wurde als klinisch signifikant erachtet [5].

Ergebnisse: Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 54 Jahren (± 13). Zwischen den Gruppen bestand ein geringer, statistisch nicht signifikanter Altersunterschied. Bei allen Untergruppen konnte eine klinisch und statistisch signifikante Schmerzreduktion zu allen Erhebungszeitpunkten beobachtet werden (durchschnittliche Veränderung > 2 Punkte, p < 0,001). Die Studienkohorte NF (Patienten ohne zuvor durchgeführte Fusion der Lendenwirbelsäule) wies eine leicht stärkere Schmerzreduktion (Unterschied von ungefähr 1 Punkt) im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen (PF und LP) auf, wodurch sich ein statistisch signifikanter Kohorteneffekt (p = 0,045) ergibt. Die Patientenzufriedenheit in den jeweiligen Studienkohorten lag bei: 89 % (NF), 92 % (PF) und 63 % (LP). Die Gesamtzufriedenheitsrate lag bei 87 %.

Diskussion und Schlussfolgerung: Unabhängig davon, ob zuvor eine Fusion der Lendenwirbelsäule durchgeführt wurde oder nicht, wiesen Patienten mit ISG-Schmerzen nach einer minimalinvasiven Fusion des IS-Gelenks eine signifikante Schmerzreduktion auf. Bei Patienten mit einer symptomatischen Erkrankung der Lendenwirbelsäule wird der Behandlungseffekt möglicherweise verschleiert, da diese Patienten häufig nicht zwischen den vom IS-Gelenk ausgehenden und den von der Lendenwirbelsäule ausgehenden Symptomen unterscheiden können. In dieser Gruppe war die Patientenzufriedenheit in Bezug auf den chirurgischen Eingriff geringer. Patienten ohne weitere Erkrankungen der Lendenwirbelsäule, die den Behandlungseffekt verschleiern können, und ohne zuvor durchgeführten Eingriff an der Wirbelsäule waren in der Regel jünger und wiesen eine stärkere Schmerzreduktion auf.

* Bezahlter Berater, Anteilbesitzer, führt klinische Forschung für SI-BONE Inc. durch.

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