Nicht operative Versorgung zur Behandlung von Iliosakralgelenkstörungen und degenerativer Sakroiliitis: hohe Kosten und hoher Einsatz von medizinischen Ressourcen in der US-amerikanischen medizinisch versorgten Population

Ackerman SJ, et al. Journal of Neurosurgery: Spine. 2014;20:354-363.

Kurzfassung:

Ziel: Schmerzen im unteren Rückenbereich sind vor allem bei älteren Erwachsenen weit verbreitet und die Kosten für die Behandlung, die für die Leistungsempfänger von Medicare aufgebracht werden müssen, sind enorm. Die Gesetze der aktuellen US-Gesundheitsreform zielen darauf ab, die Qualität der Gesundheitsversorgung zu verbessern und Kosten zu senken. Das IS-Gelenk gilt als häufiger Schmerzgenerator im unteren Rückenbereich. Die konventionellen Behandlungsmethoden, die häufig eine nicht operative Therapie oder einen offenen Fusionseingriff am IS-Gelenk umfassen, weisen jedoch eine hohe Komplikationsrate auf. Die Entwicklung neuer minimalinvasiver Techniken zur Behandlung einer IS-Gelenksprengung/degenerativen Sakroiliitis erfordert die Untersuchung der Kostenauswirkungen nicht operativer Therapien auf das Medicare-Programm. Ziel dieser Studie war die Evaluierung der Kosten für medizinische Mittel und die entsprechende Kostenerstattung durch Medicare für Patienten, die eine nicht operative Behandlung einer degenerativen Sakroiliitis/IS-Gelenksprengung erhalten haben.

Methoden: Es wurde eine retrospektive Studie auf der Basis von Versicherungsfalldaten aus den Medicare 5% Standard Analytical Files (SAFs) der Jahre 2005–2010 durchgeführt. Die Studie wurde mit Patienten mit einem primären ICD-9-CM-Diagnoseschlüssel der International Classification of Diseases, Ninth Revision, Clinical Modification (Internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 9. Revision, Klinische Modifizierung) für eine degenerative Sakroiliitis/IS-Gelenksprengung (ICD-9-CM-Diagnoseschlüssel 720.2, 724.6, 739.4, 846.9 oder 847.3) durchgeführt, die mindestens 1 Jahr vor und 5 Jahre nach der Diagnose fortlaufend als Versicherungsnehmer gemeldet waren. Es wurden mithilfe des ICD-9-CM-Diagnoseschlüssels die Versicherungsansprüche ermittelt, die für Fälle einer degenerativen Sakroiliitis/IS-Gelenksprengung (primärer oder sekundärer ICD-9-CM-Diagnoseschlüssel 71x.xx, 72x.xx, 73x.xx oder 84x.xx) geltend gemacht wurden; die 5-Jahres-Kosten für medizinische Mittel und die damit verbundenen Erstattungen durch Medicare (gemessen in 2012 US-Dollar) wurden für alle Praxisumgebungen tabellarisch aufgeführt. Es wurde eine Subgruppenanalyse unter Patienten durchgeführt, die sich einer Fusion der Lendenwirbelsäule unterzogen haben.

Ergebnisse: Die durchschnittlichen kumulativen direkten 5-Jahres-Kosten für die Behandlung aller durch Medicare versicherten Patienten mit degenerativer Sakroiliitis/IS-Gelenksprengung (n = 14.552) beliefen sich auf 18.527 $ ± 28.285 $ (± SA) pro Patient. In der Subgruppe, in der die Patienten sich einer Fusion der Lendenwirbelsäule unterzogen hatten (n = 538 [3,7 %]), beliefen sich die kumulativen 5-Jahres-Kosten auf 63.913 $ ± 46.870 $ pro Patient. In de Subgruppe, in der die Patienten sich keiner Fusion der Lendenwirbelsäule unterzogen hatten (n = 14.014 [96,3 %]), beliefen sich die Kosten auf 16.769 $ ± 25.753 $ pro Patient. Im Hinblick auf die gesamte Studienpopulation machten folgende Faktoren den höchsten Anteil der kumulativen 5-Jahres-Kosten aus: stationärer Krankenhausaufenthalt (42,1 %), ambulante Untersuchungen in Arztpraxen (20,6 %) und ambulante Behandlungen im Krankenhaus (14,9 %). Die Erstattungen der geschätzten kumulativen 5-Jahres-Kosten durch Medicare in allen Praxisumgebungen, die einer IS-Gelenksprengung oder einer degenerativen Sakroiliitis zurechenbar sind, belaufen sich auf 270 Millionen $ für 14.552 Leistungsempfänger (18.527 $ pro Patient).

Schlussfolgerungen: Diese retrospektive Analyse der Versicherungsfalldaten von Medicare hat ergeben, dass die nicht operative Behandlung von Schmerzen im unteren Rückenbereich aufgrund einer IS-Gelenksprengung/degenerativen Sakroiliitis mit erheblichen Kosten und einem hohen Einsatz medizinischer Mittel verbunden ist. Die wirtschaftliche Belastung durch eine IS-Gelenksprengung/degenerative Sakroiliitis unter den Leistungsempfängern von Medicare in den USA ist erheblich. Dies macht deutlich, dass kosteneffizientere Behandlungsmethoden für diese Erkrankungen erforderlich sind, die die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung verringern.

OffenlegungDiese Studie wurde von SI-BONE, Inc., gesponsert. S.J.A. und T.K. sind durch ihre Anstellung bei Covance Berater von SI-BONE. Der Autor D.W.P. erhält Forschungsunterstützung vom Verteidigungsministerium, der Orthopaedic Research and Education Foundation, der Minnesota Medical Foundation und der Chest Wall and Spine Deformity Foundation. Die Autoren T.H. und J.C. sind in einem bezahlten Anstellungsverhältnis als Berater für SI-BONE im Bereich Lehre und klinische Forschung tätig. J.C. ist außerdem als Berater für NuVasive tätig.Die Autoren waren wie folgt an der Studie und an der Vorbereitung des Manuskripts beteiligt. Konzept und Design: Ackerman, Polly, Holt, Cummings. Datenerfassung: Knight. Datenanalyse und -interpretation: Ackerman, Polly, Knight. Entwurf des Artikels: Ackerman. Kritische Prüfung des Artikels: alle Autoren. Überprüfung der eingereichten Manuskriptversion: alle Autoren. Genehmigung der finalen Version des Manuskripts im Namen aller Autoren: Ackerman. Statistische Analyse: Knight.

http://thejns.org/doi/abs/10.3171/2014.1.SPINE13188