Wie häufig haben Schmerzen im unteren Rückenbereich ihren Ursprung nicht im Rücken?

Sembrano JN*, Polly DW Jr**. Spine. 2009;34:E27–E32.

Kurzfassung

Studienaufbau: Konsekutive Fallserien/Kohortenstudien. Zielsetzung: Bestimmung der relativen Häufigkeiten der Wirbelsäule, des iliosakralen Gelenks (IS) und des Hüftgelenks als Hauptschmerzursache bei Patienten, die in einer Klinik für Wirbelsäulenchirurgie wegen tiefer Rückenschmerzen (LBP) vorstellig werden.

Zusammenfassung der Hintergrunddaten: Die Identifizierung der Hauptschmerzursache bei Patienten mit LBP ist schwierig. Mögliche Schmerzquellen umfassen die Lendenwirbel, das IS-Gelenk und das Hüftgelenk. Die relative Häufigkeit bei Patienten, die in einer Klinik für Wirbelsäulenchirurgie vorstellig werden, ist nicht ausreichend erfasst.

Methoden. In einem Zeitraum von zehn Monatenwurden in der Klinik eines einzigen Wirbelsäulenchirurgen 368 Patienten vorstellig. 289 Patienten (78,5 Prozent) klagten hauptsächlich über Kreuzschmerzen entweder mit oder ohne Beinschmerzen. 77 von ihnen waren bereits vorher operiert worden. Bei den übrigen 200 Fällen wurden alle bereits durchgeführten diagnostischen Tests sowie die finale Diagnose überprüft.

Ergebnisse. 164 Patienten (82 Prozent) wiesen eine Wirbelsäulenpathologie auf, doch nur 130 (65 Prozent) von ihnen hatten eine ausschließliche Wirbelsäulenpathologie, während 35 Patienten (17,5 Prozent) an einer Kombination aus Wirbelsäulen- plus Hüft- und/oder IS-Gelenkpathologie litten. Weitere 16 Patienten (acht Prozent) wiesen eine Hüft- und/oder IS-Gelenkpathologie auf, jedoch ohne Wirbelsäulenpathologie. Bei 20 Patienten (zehn Prozent) konnte die Schmerzquelle nicht definiert werden. Insgesamt litten 25 Patienten (12,5 Prozent) an einer Hüftpathologie und 29 Patienten (14,5 Prozent) verfügten über eine IS-Gelenkpathologie.

Schlussfolgerung: Von Patienten, die in einer Klinik für Wirbelsäulenchirurgie wegen tiefer Rückenschmerzen vorstellig werden, leiden bis zu 25 Prozent der Patienten unter Umständen an erheblichen Schmerzen vom Hüft- oder IS-Gelenk her und weitere zehn Prozent erfahren selbst nach diagnostischer Aufarbeitung Schmerzen aus undefinierter Quelle. Dies unterstreicht das Erfordernis für Ärzte, die Wichtigkeit nicht-spinaler Schmerzursachen nicht zu unterschätzen und ordnungsgemäß alternative Diagnosen zu erwägen.

Schlagwörter: Kreuzschmerzen, iliosakrale Gelenkschmerzen, Hüftgelenkschmerzen, nicht-spinale Kreuzschmerzen. 

 

* Führt klinische Forschung für SI-BONE Inc. durch.

** Dr. Polly ist Prüfarzt einer klinischen, von SI-BONE finanzierten Forschungsstudie. Er hat kein finanzielles

Interesse an SI-BONE.