Minimalinvasive und offene Fusion des Iliosakralgelenks – bestehen dieselbe Sicherheit und Wirksamkeit?

Ledonio CG, et al. Clinical Orthopaedics and Related Research. 2014;472:1831-1838.

Kurzfassung

Hintergrund: Das Iliosakralgelenk (ISG) wird bei 15–30 % der Patienten als mögliche Ursache für chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich betrachtet. Wenn eine nicht chirurgische Behandlung keinen Erfolg zeigt, kann eine ISG-Fusion in Betracht gezogen werden. Dank der Fortschritte in der intraoperativen Bildführung können minimalinvasive Fusionseingriffe unter Verwendung von Fusionsstäben mit Beschichtung zum Einwachsen durchgeführt werden; inwiefern diese Technik im Vergleich zu offenen anterioren Fusionen des IS-Gelenks mit Platten und Schrauben von Vorteil sein kann, ist bislang jedoch unbekannt.

Fragestellungen/Ziele: Wir haben die Daten zum geschätzten Blutverlust, der Eingriffsdauer und der Krankenhausaufenthaltsdauer sowie die Oswestry-Disability-Indexwerte (ODI-Werte) von Patienten verglichen, die sich entweder einem minimalinvasiven oder einem offenen ISG-Fusionseingriff unterzogen haben.

Methoden: An der retrospektiven Studie nahmen 63 Patienten (offener Eingriff: 36; minimalinvasiver Eingriff: 27) teil, die sich in unserer Einrichtung zwischen 2006 und 2011 einem ISG-Fusionseingriff und einem Follow-up nach mindestens 1 Jahr unterzogen haben. Bei 10 Patienten in der Gruppe mit offenem Eingriff waren die Aufzeichnungen unvollständig. Bei allen Patienten lag eine ISG-Dysfunktion vor, die mittels bildgesteuerter intraartikulärer Injektion von Anästhetika in das IS-Gelenk bestätigt wurde. Bei allen Patienten zeigte die nicht operative Behandlung keinen Erfolg. Die Patienten wurden mittels Propensity Score Matching auf Übereinstimmungen im Hinblick auf Alter, Geschlecht, BMI, bereits durchgeführte Fusionen der Wirbelsäule sowie präoperative ODI-Werte überprüft. Daraus ergaben sich zwei Gruppen mit jeweils 22 Patienten. Bei neun Patienten konnten keine Übereinstimmungen gefunden werden. Die Krankenblätter der Patienten wurden im Hinblick auf den geschätzten Blutverlust, die Eingriffsdauer, die Krankenhausaufenthaltsdauer sowie prä- und postoperative ODI-Werte überprüft. Der durchschnittliche Nachbeobachtungszeitraum lag in der Gruppe mit offenem Eingriff bei 13 Monaten (zwischen 11 und 33 Monaten) und in der Gruppe mit minimalinvasivem Eingriff bei 15 Monaten (zwischen 12 und 26 Monaten).

Ergebnisse: Bei den Patienten mit offenem Eingriff wurde ein höherer durchschnittlicher geschätzter Blutverlust verzeichnet (681 ml im Vergleich zu 41 ml, p < 0,001). Die durchschnittliche Eingriffsdauer und die Krankenhausaufenthaltsdauer waren in der Gruppe mit minimalinvasivem Eingriff kürzer als in der Gruppe mit offenem Eingriff (68 Minuten im Vergleich zu 128 Minuten und 2 Tage im Vergleich zu 3,3 Tagen, p < 0,001 für beide). Unter Berücksichtigung der verfügbaren Daten konnte kein Unterschied zwischen den Gruppen im Hinblick auf die durchschnittlichen postoperativen ODI-Werte verzeichnet werden (47 % im Vergleich zu 54 %, p = 0,272).

Schlussfolgerungen: Die Gruppe der Patienten, bei denen ein minimalinvasiver Eingriff durchgeführt wurde, zeigte bessere Werte bezüglich des geschätzten Blutverlusts, der Eingriffsdauer und der Krankenhausaufenthaltsdauer. Unter Berücksichtigung der verfügbaren Daten zeigte sich, dass die ODI-Werte beider Gruppen ähnlich waren. Da die Studiengröße jedoch relativ klein war, besteht die Möglichkeit, dass die Studie im Hinblick auf diesen Endpunkt nicht genug Aussagekraft hat. Da sich eine Beurteilung der Fusion mit den verfügbaren Bildgebungstechniken aufgrund der in diesem Verfahren verwendeten Implantate schwierig gestaltet, können wir nicht sicher sagen, wie viele Fusionen des IS-Gelenks erfolgreich waren. Hierfür ist ein längerer Nachbeobachtungszeitraum und eine kritische Evaluierung der Ergebniswerte für die gesamte Zeit erforderlich.

Offenlegung: Mark F. Swiontkowski steht laut dieser Arbeit in keinem Interessenskonflikt. Charles Ledonio und David Polly sind Prüfärzte bei einer von SI-BONE gesponserten klinischen Forschungsstudie. Sie verfügen über keine finanzielle Beteiligung an SI-BONE.